Die ideale Organisationsstruktur KMM in der Kommune
Der strukturelle Ansatz des Mobilitätsmanagements erfordert eine klare verwaltungsinterne Regelung der Zuständigkeiten, der Ablauforganisation sowie der finanziellen und personellen Ressourcen. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es zielführend, wenn der strukturelle Ansatz des Mobilitätsmanagements frühzeitig in der Verwaltung institutionalisiert wird.
Der Aufbau einer eigenen Organisationsstruktur schafft und verstetigt neue Strukturen innerhalb der Verwaltung, die als Grundlage für eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung dienen. Diese strukturelle Vorarbeit geht den ersten konkreten Projekten und Themen voraus. Sie durchläuft die drei Phasen von Veränderungsprozessen nach Kurt Lewin (Auftauen, Ausrichten und Verstetigen) .
Um der verwaltungsinternen Zusammenarbeit eine klare Struktur zu geben, empfiehlt sich ein Handlungsrahmen für das Kommunale Mobilitätsmanagement. Der Beschluss eines solchen Rahmens bildet die verwaltungsinterne „Geschäftsgrundlage“. Hier werden die Ziele und Aufgaben sowie die Organisations- und Arbeitsstruktur festgelegt. Der Handlungsrahmen beschreibt die verantwortlichen Akteur*innen, definiert Arbeitspakete und notwendige Ressourcen und skizziert einen Zeitplan und Meilensteine. Dadurch kann sich in der Kommunalverwaltung ein fachbereichsübergreifendes Verständnis der Herausforderungen im Bereich Verkehr und Mobilität entwickeln, das die Basis für ein abgestimmtes Planen und Handeln der verschiedenen Fachstellen bildet.
Den Handlungsrahmen sollten alle zuständigen Fachbereiche gemeinsam in einem Strategie-Workshop erarbeiten, abschließend sollte er dann von der Leitungsebene der Verwaltung beschlossen werden.
Einrichtung eines Lenkungskreises
Der Lenkungskreis übernimmt die Gesamtleitung des Mobilitätsmanagements innerhalb der Verwaltung. Dieses fachbereichsübergreifende Gremium ist verantwortlich für das Voranbringen der Vorhaben, ihre politische Unterstützung und die projektbezogene Kooperation zwischen den Akteur*innen. Hier wird geklärt, was unter den strukturellen und finanziellen Gegebenheiten in welchen Zeiträumen geleistet werden kann. Die Einrichtung eines solchen Kreises ist sehr zu empfehlen.
Aus welchen Fachbereichen die Mitglieder des Lenkungskreises kommen sollten, hängt von der jeweiligen Situation in der Kommune ab. Auf jeden Fall sollten die Planungsbereiche, die Straßenverkehrsbehörde und die Zielgruppen eingebunden werden. Die teilnehmenden Personen sollen leitende Positionen in ihren jeweiligen Fachabteilungen innehaben.
Die Leitung des Lenkungskreises übernimmt idealerweise eine Führungskraft der Verwaltung. Dadurch wird der Zugang zu allen wichtigen verwaltungsinternen und ggf. auch politischen Entscheidungsgremien gewährleistet. Außerdem kann die leitende Person das Mobilitätsmanagement nicht nur innerhalb der Verwaltung vertreten, sondern auch in Richtung Öffentlichkeit.
In kleineren und mittleren Kommunen kann die Aufgabe des Lenkungskreises auch vom Verwaltungsvorstand übernommen werden. So muss kein gesondertes Gremium ernannt werden. Idealerweise wird das Thema Mobilität alle zwei Monate als Schwerpunktthema behandelt. Der/die Mobilitätsmanager*in sollte an diesen Sitzungen teilnehmen.
Einrichtung fachbezogener Teams
Die Teams bilden den operativen Kern des Mobilitätsmanagements. Sie setzen sich primär aus den projektrelevanten Fachbereichen und Akteur*innen zusammen und bestehen in der Regel nur temporär, je nach Schwerpunktsetzung der Themen.
Die Themen, die Zusammensetzung und die Leitung der Teams werden durch den Lenkungskreis festgelegt. Es ist Aufgabe der Teams, die Rahmenkonzeption und die Maßnahmen für einzelne mögliche Handlungsfelder (z.B. Rad- oder Fußverkehrskonzept, Mobilstationen, Schulisches- oder Betriebliches Mobilitätsmanagement) zu erarbeiten. Grundlage sind die Mobilitätsziele der Kommune, politische Vorgaben, bisher durchgeführte und geplante Maßnahmen sowie vorhandene Fachpläne.
Einbindung der Zivilgesellschaft und lokaler Akteur*innen
Für die erfolgreiche Gestaltung des Transformationsprozesses sind Allianzen unverzichtbar. Die unterschiedlichen Akteur*innen und Interessengruppen auf kommunaler Ebene haben mitunter stark voneinander abweichende Vorstellungen, wie die richtige Mobilitätskultur aussieht.
Auf der einen Seite stehen die etablierten Akteur*innen aus den Wirtschafts- und Handelsverbänden, aus den Fachverbänden (z.B. ADFC) und der Technologieentwicklung. Auf der anderen Seite gibt es die Akteur*innen der Zivilgesellschaft, die durch bürgerschaftliches Engagement kreative Lösungen vor Ort realisieren. Diese Gruppen sollten in ein Ergänzungsverhältnis zueinander gebracht werden (vgl. Welzer & Rammler 2012: 33). Während die Top-down-Fraktion etwa die verkehrsplanerischen Rahmenbedingungen bereitstellt, schaffen die Bottom-up-Akteur*innen mit konkreten Lösungen vor Ort Erfahrungsräume und fördern bürgerschaftliches Engagement. Gemeinsam erreichen beide eine positivere Stimmung und bessere Lebensbedingungen im Straßenraum. Die Synchronisierung der beiden Stoßrichtungen bietet ein erhebliches Potenzial für eine neue Mobilitätskultur auf kommunaler Ebene.
Einrichtung eines interfraktionellen Arbeitskreises
Eine enge und konstruktive Einbindung der Kommunalpolitik ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Kommunale Mobilitätsmanagement. Ein interfraktioneller Arbeitskreis stellt den Veränderungsprozess auf eine breite politische Grundlage. Hier können Entscheidungen mit einem festen Kreis von Personen in nicht öffentlichen Sitzungen vorbereitet werden. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit erleichtert eine effektive Gestaltung der Abstimmungsprozesse.
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