3.3.2 Phasen von Veränderungsprozessen - Auftauen, Ausrichten, Verstetigen
Um Veränderungen in gesellschaftlichen Gruppen zu beschreiben, hat der Sozialpsychologe Kurt Lewin 1947 das sogenannte 3-Phasen-Modell entwickelt. Heute gilt das Modell unter anderem auch als die Pioniertheorie im Bereich des Veränderungsmanagements (engl. Change Management). Hierbei wird, um einen gewünschten Zielzustand zu erreichen, ein Veränderungsprozess in drei Phasen aufgeteilt: Auftauen, Ausrichten und Verstetigen. In jeder dieser Phasen werden unterschiedliche Themenstellungen in den Mittelpunkt gerückt.
Auftauen
In dieser Phase findet die Grundlagenarbeit für den jeweiligen Veränderungsprozess statt, die von der/dem Mobilitätsmanager*in mit folgender Frage angestoßen werden sollte: Warum sollten wir uns in unserem Kreis bzw. in unserer Stadt mit dem Thema Mobilitätsmanagement auseinandersetzen? Die Klärung dieser Frage ist insofern wichtig, weil das Thema Mobilitätsmanagement sich als eine Querschnittsaufgabe versteht und somit immer unterschiedliche Ressorts und Interessen involviert sind. Sie kann von der/dem Mobilitätsmanager nur angestoßen werden, er/sie kann sie aber nicht selbst vornehmen, sondern sie muss von der Politik und obersten Verwaltungsspitze einstimmig und eindeutig gegeben werden.
In diesem Kontext kann es hilfreich sein, den Prozess am Golden Circle von Simon Sinek auszurichten und in ein bis zwei Sätzen präzise auf den Punkt zu bringen, warum eine Kommune oder ein Kreis am Thema Mobilitätsmanagement arbeiten sollte. Eine mögliche Antwort auf das Warum bei einer Großstadt könnte beispielsweise lauten: Weil wir lebenswerten öffentlichen Raum schaffen wollen, ohne Stress und Belastung durch den motorisierten Individualverkehr. Ihre volle Wirkung entfaltet die Warum-Frage jedoch erst dann, wenn sie in Verbindung mit konkreten und messbaren Zielen gesetzt wird, die sinnvollerweise in Form eines bindenden Beschlusses festgehalten werden (Vgl. Handbuch Zukunftsnetz, S. 39). Je nach politischer Lage kann sich dieser Prozess ziehen, sodass die endgültige Beschlussfassung erst in der nächsten Phase des Veränderungsprozesses zustande kommt.
Ausrichten
In dieser Phase des Veränderungsprozesses geht es schwerpunktmäßig noch nicht um inhaltliches Arbeiten an nachhaltigen Mobilitätslösungen, sondern um das Schaffen stabiler Strukturen, um ein wirksames und kontinuierliches Arbeiten am Thema Mobilität zu ermöglichen. Im Kern bedeutet dies, dass drei zentrale Punkte in dieser Phase in den Mittelpunkt rücken: Zum einen die Gestaltung von Strukturen und die Definition von Ressourcen. Weiterhin die Definition zentraler Themen und Handlungsfelder. Und abschließend die Einbindung und der Dialog zum Thema Mobilitätsmanagement.
Bei der Definition von Strukturen und Ressourcen handelt es sich um eine essenzielle Aufgabe in der Frühphase der Ausrichtung. Dabei gilt es, auf spezifische Voraussetzungen der Kommune einzugehen und insbesondere in größeren Verwaltungsapparaten für eine Verortung als Stabsstelle oder Teamaufgabe zu Sorgen, wo bereits zum Thema Mobilität gearbeitet wird. In kleineren Kommunen ist die Nähe des/der Mobilitätsmanager*in zur Arbeits- und Umsetzungsebene jedoch oftmals effektiver (Vgl. Handbuch Zukunftsnetz, S. 41).
Verstetigen
Diese Phase dient als eine Art Prüfstein der Strukturen, die in den vorherigen Phasen geschaffen wurden und einer Auswahl von Themen, mit denen der/die Mobilitätsmanager*in seine/ihre Arbeit beginnt. Es empfiehlt sich zu Beginn kleinere und klar abgrenzbare Pakete in Angriff zu nehmen und erst nach der Etablierung der Prozesse größere und kontroverseren Themen zu bearbeiten, also dann, wenn die Rolle der/des Mobilitätsmanager*in in der Verwaltung bereits eine höhere Akzeptanz erfahren hat. Von Vorteil in dieser Phase ist auch, auf Kommunikation zu achten und die Einbindung zusätzlicher Akteure durch themenspezifische Dialogformate voranzutreiben, wie beispielsweise von Bürger*innen, Vereinen und Verbänden.
Geschieht dies, nimmt die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Thema Mobilitätsmanagement Fahrt auf und die neu definierten Strukturen funktionieren effizienter und werden gezielt weiterentwickelt. Von besonderer Bedeutung für diesen Prozess ist überdies der beständige Kontakt zwischen Verwaltungsspitze und der/dem Mobilitätsmanager*in, um Erfolge kontinuierlich darzustellen, aber auch den Auftrag und die mittelfristige Ausrichtung fortwährend an die Gegebenheiten anzupassen.
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